Drei Tage im Jahr machen in der Schweiz auf das Schicksal von geflüchteten Menschen aufmerksam:

Der nationale Flüchtlingstag ist immer am dritten Samstag im Juni, der Flüchtlingssonntag der Kirchen am Folgetag und der Weltflüchtlingstag am 20. Juni.

In vielen Orten schweizweit werden jährlich Sensibilisierungskampagnen für die Anliegen von Geflüchteten durchgeführt. Die Aktivitäten und Anlässe fördern den gegenseitigen Austausch in der Bevölkerung und bieten die Gelegenheit zur Begegnung.

 

In Obwalden übernimmt der Verein "Flüchtlingstag-Begegnungstag" die Organisation. Dabei stützt er sich immer auf den nationalen Tag am dritten Samstag im Juni.

 

Verein "Flüchtlingstag-Begegnungstag"

 

Mitglied kann jede Person werden, welche ein Interesse an Integrationsthemen hat. Statuten anfordern sowie Fragen stellen oder sich als Mitglied direkt melden unter:

fluechtlingstag@yahoo.com

 


Lesen und hören Sie die folgenden Geschichten:

Familiennachzug Afghanistan

 

 

Als meine Mutter, mein Bruder und ich Iran verliessen, haben wir uns an der Grenze zwischen der Türkei und dem Iran verloren. Es waren sehr viele andere Flüchtlinge dabei. Wir mussten alle den Fluss mit einer sehr starken Strömung über einen Baumstamm einzeln überqueren. Die Menschen wurden von den Schleppern aufgerufen und auf die andere Seite in ein wartendes Auto gebracht. Nach kurzer Zeit, nach dem ich auf dem ich ins Auto eingestiegen bin, sind dann iranische Grenzwächter gekommen. Es gab dann plötzlich ein Chaos und die Autos sind losgefahren. Viele Familienmitglieder wurden hier getrennt und ich gehörte auch dazu. Nachher musste ich den ganzen Weg über Türkei und Griechenland bis in die Schweiz allein machen. Meine Familie konnte erst 2-3 Jahren sich wieder auf den Weg machen und zu mir kommen. Es waren sehr schwierige Jahre als ein junger Mensch ohne Familie zu leben.

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Familiennachzug aus Eritrea

 

Ich war mit dem dritten Kind schwanger, als mein Mann nicht mehr nach Hause kam. Er ist geflüchtet vor dem Militär und den Gesetzen. Er hat mir nichts gesagt von dem; er ist einfach gegangen. Das war für mich sicherer. Ich war dann alleine mit drei kleinen Kindern und meiner Mutter zusammen. Das war eine ganz schwierige Zeit für mich. Ich habe gewusst, dass er in der Schweiz angekommen ist. Er hat mir gesagt, es hat Bomben auf dem Weg raus aus Eritrea und es war für uns schwierig, welchen Weg wir nehmen. Sie haben mich dann auch erwischt und ich musste ins Gefängnis in Eritrea. Mein Onkel hat eine Kaution bezahlt nach drei Jahren und ich ging wieder zu meiner Mutter. Dann kam der Frieden zwischen Eritrea und Äthiopien und ich konnte auf legalem Weg nach Äthiopien. Meine Mutter war mir immer eine grosse Stütze. Ich bin ihr einziges Kind, als ich geboren wurde, starb mein Vater. Sie hat mich wie ein Vater und eine Mutter zusammen erzogen; sie hat wegen mir nicht mehr geheiratet.

Für mich war der Entscheid, zu meinem Mann in die Schweiz zu gehen, schwierig. Wenn ich gehe, lasse ich meine Mutter zurück. Sie sagte mir immer, ich soll zu meinem Mann gehen. Ich sei verheiratet und gehöre zu meinem Mann. Mein Mann hat auch immer wieder gesagt, ich soll jetzt kommen.

Die ganzen vier Jahre, die es dauerte, bis ich meinen Mann wieder sah, waren sehr schwierig und hart für mich. Alleine mit drei kleinen Kindern unterwegs zu sein, hat mich an meine Grenzen gebracht. Ich war sehr froh, als mein Mann mich da wieder unterstützen konnte. Doch meine grosse Sorge gilt meiner Mutter, welche ich zurückgelassen habe.

In Äthiopien waren wir  zuerst in einem Durchgangszentrum in kleinen Zimmern mit vier verschiedenen Personen /Familien; wir mussten uns überall registrieren. Nur wenn man Verwandte vorweisen konnte, durfte man das Camp verlassen und selbstständig wohnen. Die Frau vom Bruder meines Mannes sagte, wir können zu ihr kommen. Das erste Mal seit langem erlebten wir Ruhe und etwas Erholung. Mein Mann hat über die Schweizer Botschaft den Familiennachzug beantragt. So erhielten wir die Papiere und Reisepässe. Es ging schnell. Sie haben auch Blut genommen und die DNA erstellt, damit klar ist, dass meine Kinder die leiblichen Kinder vom Mann in der Schweiz sind.

Wir sind mit dem Flugzeug in die Schweiz geflogen. Dann sind wir zwei Tage bei Kollegen gewesen alle zusammen. Nachher mussten wir einige Wochen ins Camp, bis wir bei meinem Mann wohnen durften.

Er sah anders aus, auch körperlich. Meine jüngste Tochter kannte den Vater gar nicht, weil sie noch nicht geboren war, als er flüchtete. Die älteren zwei Kinder haben den Vater vermisst und immer wieder von ihm gesprochen. Sie mussten ihn hier wieder kennen lernen.

 

Ich fühle mich geborgen und zu Hause jetzt in der Familie. Ich bin froh, ist mein Mann an meiner Seite. Aber dass meine Mutter alleine in Eritrea ist, macht mich traurig. Ich vermisse sie so fest und sie selber kann es fast nicht bewältigen. Sie fragt immer wieder, ob wir nicht nach Äthiopien oder Sudan kommen können, damit wir uns sehen. 

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Familiennachzug aus Syrien

 

Ich habe meinen offiziellen Militärdienst in Syrien gemacht, dann kam der Krieg und ich musste im Militär bleiben. In Damaskus wurde ich verletzt; ich konnte den Krieg nicht mehr ertragen und floh vor dem Militär. Bis zu meinem Heimatdorf zurück zu gehen war sehr schwierig und gefährlich. Immer wieder half mir mein Bruder oder Freunde. Ich hatte bei jeder Kontrolle wahnsinnig Herzklopfen. Ich stand mit meiner Frau immer in Kontakt und sie musste damals schon um mich bangen.

In unserem Heimatdorf fühlte ich mich nicht sicher. Wir wollten beide flüchten zu meinem Bruder in die Schweiz, aber zu zweit war es viel zu gefährlich. Ich flüchtete dann alleine über die Türkei nach Samos. Dort war ich einige Zeit im Camp und musste dann viel Geld zahlen, um in die Schweiz weiter zu reisen.

In diesen Monaten telefonierte ich viel mit meiner Frau.

 

Ich hatte Glück und innerhalb von sechs Monate erhielt ich die B Bewilligung. Damit konnte ich mit Hilfe einer sehr netten Schweizerperson die Formulare zum Familiennachzug ausfüllen. Fünf Monaten, nachdem ich das Gesuch eingereicht habe, sah ich meine Frau am Flughafen endlich wieder. Wir mussten uns wieder etwas finden. Meine Frau sagte, dass ich ernster geworden bin. 

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Spenden für den Anlass:

 

Flüchtlingstag-Begegnungstag Obwalden

6060 Sarnen

IBAN: CH45 0078 0013 0527 1530 1

Herzlichen Dank!

Schweizerische Flüchtlingshilfe

www.fluechtlingstage.ch